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Gerührt, nicht geschüttelt PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 07. Oktober 2011 um 10:48 Uhr

Die Firma PRG fertigt Präzisions-Rührwerke: Von Warburg in die weite Welt

Die Spezial-Rührer aus dem Hause PRG werden in Warburg in der Konstruktionsabteilung geplant, in den angrenzenden Produktionshallen gefertigt und schließlich von der Kleinstadt im südlichsten Zipfel von Ostwestfalen in die weite Welt geschickt. PRG liefert Komponenten, stellt Geschäftsführer Frank Dierkes klar. Soll heißen: „Wir entwerfen nicht die Tasse, sondern den Löffel.“ Rührwerke eben. Die sind weltweit gefragt.

 

PRGs kreative Ingenieurs-Riege hat für Süßwaren-Giganten Lösungen gefunden, damit die Pralinenfüllung besonders cremig geschlagen wird. Für die Kosmetikbranche wurden bereits vom Lippbalsam über Haargel bis zum Nagellack viele duftende Ingredienzien zusammengerührt. Weniger dufte ist hingegen der Einsatz in Biogas-Anlagen. Auch dort wird gerührt. Und das kräftig.

„2004 fing das mit dem Biogas an“, sagt Geschäftsführer Frank Dierkes und fügt lachend hinzu: „Da hat uns der Markt so zusagen aufgesogen.“ Zehn Prozent vom Umsatz macht dieses Segment heute aus. PRG baut Rührwerke für ganz große Industrieanlagen wie in England oder im nordrhein-westfälischen Dorsten.

Dort haben die Spezialisten aus Warburg Rührer für die 26 Meter hohen Fermenter-Türme gebaut. Rund 8.000 Kubikmeter Biomasse fasst ein solcher Gär-Reaktor, in dessen Inneren der Rührer aus Warburg beim Energie erwirtschaften kräftig mitmischt. Aber die PRGler können auch kleiner, wie im werkseigenem Technikum. Das Technikum ist sozusagen die Probierküche für die Präzisionsrührer. Dort werden bis zu 200-Liter-Versuche durchgeführt. Hier empfangen Frank und Hubert Dierkes auch die Kunden. Im Technikum werden die Auftraggeber überzeugt, etwa dass die PRG-Rührer die Pralinenfüllung zur gewünschten Konsistenz rühren können. „Auch Liköre haben wir hier probiert“, sagt Frank Dierkes mit einem verschmitzten Grinsen.

Handlich: Ist das Rührelement, das PRG-Geschäftsführer Frank Dierkes präsentiert. FOTO: SANDRA WARMERS

Handlich: Ist das Rührelement, das PRG-Geschäftsführer Frank Dierkes präsentiert. FOTO: SANDRA WARMERS

 

Vater und Sohn sind trotz Erfolg und Expansionsfreude bodenständig geblieben. Knapp 50 Prozent der Erzeugnisse werden vom Warburger Werk direkt in die Welt exportiert. Die Anlagen finden sich auf allen Kontinenten. Zwischen Rührwerkproduktionen für finnische Senfhersteller, südafrikanische Molkereien, brasilianische Safthersteller, kasachische Erfrischungsgetränkeabfüller und australische Biotechunternehmen haben die Dierkes noch Zeit gefunden im fernen Indien ein Joint-Venture aufzuziehen.

„Wir haben dort einen Partner gefunden und wollen zum Jahresende unsere Halle fertig haben“, erzählt der 39-jährige Unternehmer. Es ist die erste Dependance der PRG im Ausland. Ein mutiger, aber wohlüberlegter Schritt – und ein zwingender. „Es gibt Märkte, die sich von Deutschland aus nicht bedienen lassen“, sagt der Firmenchef. Indien gehöre dazu. In Indien wollen und werden die Dierkes investieren. „Indien ist ein riesiger Binnenmarkt und dort gibt es Geschäftspartner, die wir schon lange kennen. Das sind gute Voraussetzungen für einen Start – auch wenn das Umfeld für uns Europäer eher ungewohnt ist“, erzählt Frank Dierkes. Am neuen Standort werden ausschließlich Rührwerke für den indischen Markt produziert. Zeitgleich geht die Arbeit in Deutschland weiter.

Die ostwestfälischen Unternehmer sind in der Welt zu Hause, aber in Warburg daheim. Die 90 hoch qualifizierten Mitberaterinnen und Mitarbeiter samt Azubis kommen aus der Börde und dem nördlichsten Hessen.

Vater und Sohn stehen zum Standort Warburg – und das seit der Firmengründung anno 1981. „Wir liegen ganz zentral in Deutschland und, wenn wir etwas mehr von oben darauf schauen, auch in der Mitte von Europa“, sagt der Unternehmer. Die riesigen Rührer werden in Einzelteile zerlegt und abtransportiert. Erst per Lkw, danach oft per Schiff via Hamburg oder Rotterdam in die Welt.

Aber bleiben wir zum Schluss am Warburger Werk: Während der Rührer für eine Molkerei zum Abtransport bereit liegt und in Indien die Arbeiten anlaufen, breitet in Warburg Architekt Hans-Ludwig Dierkes – der Bruder respektive Onkel der Geschäftsführer – die Pläne für die neue, dritte Halle aus.

Zu den vorhandenen 3.600 Quadratmeter Produktionsfläche sollen 1.200 Quadratmeter hinzukommen. Anfang 2012 soll der neue Lager- und Logistikbereich fertig sein.

Was haben Arzneimittel, Klebstoffe und Zahnpasta gemein? Rein gar nichts. Oder? Von wegen! Hubert Dierkes und sein Sohn Frank könnten diese Liste endlos fortsetzen, denn sie sind Experten in Sachen Rührtechnik. „Der Otto-Normalverbraucher ist oft erstaunt, welche Konsumprodukte vor dem Verkauf gerührt werden“, sagt Frank Dierkes. Paste, Pulver, Gel, Saft, Lack: All das wird nicht in James Bond-Martini-Manier geschüttelt. Nein, es wird gerührt und das professionell.

Schulter an Schulter: Mitarbeiter Hermann Ernst (l.) bespricht mit PRG-Chef Hubert Dierkes die Maße des neuen Rührgerätes. FOTOS: SANDRA WARMERS

Schulter an Schulter: Mitarbeiter Hermann Ernst (l.) bespricht mit Hubert Dierkes die Maße des neuen Rührgerätes. FOTO: SANDRA WARMERS

[Quelle: Neue Westfälische, Ausgabe Nr. 233, Freitag, 07.10.2011]

 
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